Welpenspiel oder Welpenchaos?

Vom Sinn und Unsinn einer Welpenspielgruppe

Über den Sinn von Welpengruppen gibt es durchaus berechtigte kritische Meinungen. Die einen sagen, jeder Welpe braucht unbedingt andere Welpen, die anderen sagen, mein Hund braucht so etwas nicht. Am häufigsten wird aber kritisiert, dass Welpengruppen lediglich chaotische Raufergruppen sind. Ist das generell so oder liegt es vielleicht nur an einer mangelhaften Ausführung?

Und ist ein wildes Raufen vielleicht auch gar nicht so schlimm?

Chaos Welpengruppe

Ein unkontrolliertes Toben, Jagen und Übereinander-Herfallen in großen Gruppen ist für keinen jungen Hund gut. Noch schlimmer ist es, wenn dabei große und kleine Rassen aufeinander losgelassen werden. Manchmal mit der Begründung: „Da muss der Kleine durch, er wird ja immer der Kleine bleiben!“ „Wenn er jetzt nicht lernt sich zu wehren, wann dann?“. Und so wird die kleine Rasse häufig einfach nur über den Haufen gerannt.

Oder wenn noch sehr junge Welpen mit schon älteren Welpen „spielen“ sollen. Ein 15 Wochen alter Hund ist einem 9 Wochen alten Hund körperlich in aller Regel schon sehr überlegen. Aber er ist trotzdem selbst noch ein Kind und nimmt keine Rücksicht auf einen erst 9 Wochen alten Kameraden. Im Zweifel wird er den jüngeren gnadenlos überrennen oder übervorteilen.

Was lernen junge Hunde dabei?

Der Gejagte oder Schwächere lernt, dass er keine Chance hat gegen die anderen und sein neuer Sozialpartner Mensch sich auch nicht groß um seine Sicherheit und seinen Schutz kümmert. Diesen Part hat bisher seien Mutter übernommen, die ist aber nicht mehr da. Er lernt, dass er im Zweifel auf seinen Menschen nicht zählen kann. Während die Menschen danebenstehen und die Situation völlig falsch interpretieren, sich sogar noch freuen, wie schön „gespielt“ wird.

Der Stärkere lernt, dass er tun und lassen kann, was er will. Dass er sich komplett ausleben kann und andere Hunde zu seiner persönlichen Belustigung und Befriedigung da sind. Er lernt sich mit Kraft und Ungerechtigkeit durchzusetzen, zu jagen und zu unterdrücken.

Wie soll aus diesen jungen Hunden sozialkompetente Erwachsene werden?

Deshalb sollten Welpenstunden folgende Maßgaben unbedingt erfüllen:

  • Die Welpen werden auf verschiedene Uhrzeiten und/oder in verschiedene Ausläufe So entstehen immer nur kleine Gruppen.
  • Die Hunde werden so aufgeteilt, dass sie innerhalb der Gruppe gut zueinander passen.
  • Es sind genug Trainer anwesend, die die Situation und die Entwicklung jeder Gruppe im Auge behalten und die Hundebesitzer auch anleiten und Situationen ggf. erklären.
  • Der Hundebesitzer ist immer mit im Auslauf bei seinem Hund und steht ihm zur Seite, beobachtet und hilft seinem Hund.
  • Es werden immer wieder kleine Pausen vom Spielen eingelegt, in denen die Welpen bei ihrem Menschen zur Ruhe kommen.
  • Die Gruppierungen bleiben flexibel. So hat jeder Hund die Möglichkeit sich nach seinem Tempo zu entwickeln und die Gruppe zu wechseln, wenn dies von Vorteil für ihn ist. D.h. ein schüchterner Hund kann zunächst bei den ruhigen Welpen „auftauen“ und anschließend zu den schon forscheren Hunden wechseln.
  • Kleine Rassen und noch sehr junge Welpen (8.-10.Woche) bleiben beim Spielen zunächst unter sich, ebenso wie sehr schüchterne Hunde.

Gerade in dieser frühen Phase, nach der Trennung von Mutter und Geschwistern oder auch bei schon älteren aber sehr schüchternen Hunden, ist es besonders wichtig, beim Spielen positive Erfahrungen zu sammeln und genug Zeit zum „Auftauen“ zu bekommen – positive Erfahrungen mit anderen Rassen und Hunden an der Seite seines neuen Sozialpartners Mensch.

Gerade Hunde einer kleinen Rasse oder sehr schüchterne Hunde erleben es allzu oft, dass sie einfach über den Haufen gerannt werden und nichts dagegen ausrichten können.

In einer guten Hundeschule wird es so etwas nicht geben!!! Priorität sollte sein, dass auch Kleinhunde oder sehr schüchterne Hunde sich gut entwickeln und selbstbewusste, sozialkompetente Erwachsene werden. Ziel sollte also sein, dass am Ende jeder Welpenstunde jeder Teilnehmer glücklich vom Platz geht – Hund und Halter 😊.

Nur, wenn diese sieben Punkte erfüllt werden können, kann eine Welpenstunde für den einzelnen Hund eine echte Bereicherung für seine Entwicklung und sein ganzes Leben sein.

Wir empfehlen sogar ausdrücklich, sich in Frage kommende Hundeschulen noch vor Eintreffen des eigenen Welpen anzuschauen und so bereits im Vorfeld „die Spreu vom Weizen zu trennen“ und seinem Hund so manch unangenehme Erfahrung zu ersparen.

Eine Welpengruppe muss sehr gut durchdacht, organisiert und begleitet sein. Dazu braucht eine Hundeschule viel Platz, genug gutes Personal und Zeit!

(Und wie überall im Leben, ist diese gute Qualität wohl eher nicht für 5€ die Stunde zu bekommen.)

Sind diese Faktoren nicht gegeben, ist ein Chaos in der Welpengruppe vorprogrammiert.

Dann besser keine Teilnahme an einer Welpengruppe, als an einer schlechten 😉.

© Gabi Klaassen

Hundeschule Rhein-Wupper.corp

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