12 März DER Leinenpöbler
„Unser Hund läuft eigentlich so ganz gut an der Leine. Nur, wenn ein anderer Hund kommt, rastet er aus. Das soll er lassen.“
In dieser Aussage steckt drin:
Mein Hund kann von mir aus machen, was er will, er soll bitte nur nicht ausrasten…
Ich persönlich wäre sogar damit einverstanden, wenn es nicht so stark vermenschlichtes Denken wäre und damit unfair Hunden gegenüber – denn dein Hund versteht diese Einstellung in Verbindung mit der Leine nicht (oder nur sehr, sehr schwer).
Warum das so ist? Aus diesen beiden Gründen:
- Fehlende Klarheit
Sind wir mal ehrlich: Dein Hund läuft „eigentlich ganz gut an der Leine“, weil ihn gerade nichts besonders reizt, außer vielleicht ein paar Gerüche hier und da. Das heißt, er läuft gerade aus reinem Zufall „eigentlich ganz gut an der Leine“. Er tut dies nicht bewusst, weil er verstanden hat, was wir wollen, dies akzeptiert und respektiert. Deshalb nenne ich dieses „eigentlich ganz gut an der Leine gehen“ reine Glückssache.
Und damit fängt das Dilemma an. Wenn ein Hund sich nicht wirklich tatsächlich bewusst ist, was wir stets an der Leine von ihm erwarten, kann er es in schwierigen Situationen auch nicht abrufen.

Deshalb ist es so wichtig das Leinengehen gerade auch in einfachen Situationen schon sehr klar und perfekt (!) aufzubauen und sich nicht mit einem „eigentlich ganz gut“ zufrieden zu
geben. Dein Hund sollte sich immer bewusst sein, was du tatsächlich von ihm erwartest. Nur dann, kann er es in schwierigen Situationen genauso abliefern.
Das hört sich für Dich zu streng an? Ich finde es nicht streng, ich finde es nur fair.
- Warum wäre alles andere unfair?
Für einen Hund ist das Angeleint sein ein äußerst unnatürlicher Zustand. Seine Mama hat das nie mit ihm gemacht und auch sonst kein anderer Hund tut so etwas. Es ist schlicht nicht hündisch. An einen Strick binden tun nur wir Menschen mit einem Hund. Deshalb bedeutet die Leine in erster Linie für deinen Hund nur eine Bewegungseinschränkung – nicht mehr und nicht weniger.
Spätestens mit Einsetzen der Pubertät wird aber genau das schwierig für ihn. Denn Hunde kommunizieren untereinander vor allem auch über Bewegungen – Nähe und Distanz – wusstest Du das?
Vielleicht hast Du schon mal beobachtet, dass dein Hund im Freilauf sehr gerne stehen bleibt und seitlich am Boden riecht, wenn ein anderer Hund entgegenkommt. Das ist kein Zufall, das ist Kommunikation! Damit signalisier er dem entgegenkommenden Hund: Ich will keinen Stress mit Dir.
An diesem Beispiel wird das Problem deutlich: ein Hund kann an der Leine nicht so frei kommunizieren, weil er ja angeleint ist und weitergehen muss. Ebenso kann er keinen Meidebogen laufen, der ebenfalls deeskalierend wirkt. Dies sind nur zwei Beispiele…
Deshalb sind Hunde an der Leine durch ihre eingeschränkten Kommunikationsmöglichkeiten schneller verunsichert. Sogar der selbstbewussteste Hund, kann sich an der Leine unsicher fühlen. Diese Verunsicherung führt zu Aufregung und Aufregung führt zum Knurren, Bellen, Hochfahren -> Leinenaggression. Wenn jetzt der andere Hundebesitzer auch noch Abstand hält oder weggeht, geht diese Strategie aus Sicht deines Hundes sehr gut auf. Ein Leinenpöbler wird geboren 😢.
Wusstest Du, dass die überwiegende Zahl der Leinenpöbler ohne Leine völlig sozialverträglich ist? Ihr Problem ist einzig und alleine das Angeleint sein. Weil es sie ohne klaren Auftrag ratlos zurücklässt.
Deshalb: sei fair!
Es ist also nur fair, wenn man es nie dem Zufall überlässt, wie ein Hund an der Leine läuft, sondern gerade in einfachen Situationen schon sehr klar definiert, was erwartet wird. Und da reicht ein „nicht ziehen“ oder „er geht eigentlich schon ganz gut“ einfach nicht aus, weil DAS nur von fehlenden Außenreizen abhängt.
Also nur mit dem klaren Wissen darüber, was du grundsätzlich immer an der Leine von ihm erwartest, wird dein Hund sich auch in schwierigen Situationen gut benehmen können 😉.
©2026 Gabi Klaassen – Hundeschule Rhein-Wupper